Wichtigste Punkte auf einen Blick
- Der Prater Garten existiert seit 1837 als ältester Biergarten Berlins und ist bis heute ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen im Prenzlauer Berg.
- Die Lage in der Kastanienallee 7–9 bietet eine große Außenfläche unter schattenspendenden Kastanienbäumen mit bis zu etwa 800 Sitzplätzen.
- Die wechselvolle Geschichte umfasst: Bierausschank ab 1837, Übernahme durch die Familie Kalbo 1852, kulturelles Zentrum im 19. und 20. Jahrhundert, mehrere Schließungen, Sanierungen und Wiedereröffnungen.
- Aktuelle Nutzung: traditioneller Biergarten, Restaurant mit deutscher Küche, Veranstaltungen der Volksbühne und Ausstellungen in der Galerie im Prater.
- Für Berliner und Touristen gleichermaßen geeignet, um Geschichte, Kultur und Gastronomie im Herzen von Prenzlauer Berg zu erleben.
Überblick: Was ist der Biergarten Prater?
Wer durch die belebte Kastanienallee in Prenzlauer Berg schlendert, stößt unweigerlich auf einen Ort, der Berliner Stadtgeschichte atmet: den Prater Garten. Seit 1837 – als hier erstmals Bier ausgeschenkt wurde – hat sich dieser Pratergarten zu einer Institution entwickelt, die Generationen von Berlinern begleitet hat. Er gilt als ältester Biergarten der Hauptstadt und ist damit ein Stück lebendige Kulturgeschichte.
Der Biergarten befindet sich im Innenhof der Kastanienallee 7–9, 10435 Berlin, umgeben von Szene-Cafés, kleinen Galerien und den typischen Altbauten des Bezirks. Hier verbinden sich zwei Welten: ein weitläufiger Freiluft-Biergarten mit seinen charakteristischen Kastanienbäumen und eine ganzjährig geöffnete Gaststätte, die auch bei schlechtem Wetter Gäste empfängt.
Was den Prater über die Jahrzehnte so besonders machte, ist die Mischung seiner Besucher. Im 19. Jahrhundert trafen hier Arbeiter auf Künstler, Familien auf Bohemiens. Heute mischen sich Studierende, Touristen und alteingesessene Berliner unter dem dichten Blätterdach. Der Ort ist ein Symbol für Berliner Ausgehkultur geblieben – ein Platz, an dem die Stadt ihren ungezwungenen Charakter zeigt.

Geschichte des Biergartens Prater (19. Jahrhundert)
Im frühen 19. Jahrhundert war Prenzlauer Berg noch ein Randgebiet der wachsenden Metropole Berlin. Mühlen, Handwerksbetriebe und Gärtnereien prägten das Bild. Für die Leute aus der Innenstadt wurde dieser Kiez jedoch zunehmend zum beliebten Ausflugsziel – weit genug für einen Tapetenwechsel, nah genug für einen Nachmittagsausflug.
- 1837 – Gründung als Bierausschank: Auf dem Gelände an der heutigen Kastanienallee eröffnete ein einfacher Bierausschank. Berliner aus den dichter bebauten Stadtteilen kamen hierher, um unter freiem Himmel ein kühles Bier zu trinken – der Grundstein für den späteren Pratergarten war gelegt.
- 1852 – Übernahme durch Familie Kalbo: Die Familie Kalbo erwarb das Gelände und baute die schlichte Bretterbude zu einem beliebten Ausflugslokal mit Garten aus. Der Ort entwickelte sich von einer einfachen Ausschankstelle zu einem echten Treffpunkt.
- 1867/1869 – Konzession als „Café chantant”: Der Prater erhielt die offizielle Konzession für eine Vergnügungsgaststätte. Der Name „Berliner Prater” entstand in Anlehnung an den berühmten Wiener Prater – ein Zeichen für die Ambitionen der Betreiber.
- Unterhaltung für das Volk: Die Programme boten Singspiele, Possen, Marionettentheater und Operetten. Das Zielpublikum: bürgerliche Künstler, Handwerker und einfache Leute aus den umliegenden Vierteln, die nach Freizeit und Unterhaltung suchten.
- Alltag im Prater: Besucher brachten oft eigene Brote und Kaffee mit, während im Prater Bier, Wein und einfache Speisen verkauft wurden. Der Garten wurde zum Treffpunkt für Arbeiter, Familien und kleine Vereine.
- Jahrhundertwende – Höhepunkt: Um 1900 erreichte der Prater seinen ersten großen Höhepunkt. Ein Ballsaal, eine Varieté-Bühne und politisch-kulturelle Veranstaltungen machten ihn zum zentralen Anlaufpunkt für Unterhaltung in Prenzlauer Berg.
Kultur, Unterhaltung und Politik im Prater
Der Prater war mehr als nur ein Ort zum Biertrinken. Er entwickelte sich zu einem kulturellen Schmelztiegel, an dem Volksvergnügen, Theater und politische Versammlungen aufeinandertrafen – ein Spiegel der Berliner Gesellschaft seiner Zeit.
- Varieté und Theatervorstellungen: Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert traten bekannte Künstlergruppen auf. Das Programm umfasste Akrobatik, Musik und Humor – typische Varieté-Nummern, die das Publikum begeisterten. Der Schauspielunternehmer Porath und ähnliche Figuren prägten diese Ära.
- Politische Versammlungen: Der Ballsaal diente auch gewerkschaftlichen und politischen Treffen. Da Versammlungen in Gärten zeitweise untersagt waren, wichen Organisatoren in geschlossene Räume aus. Anfang der 1870er Jahre fanden hier Arbeiterfeste statt, die die soziale Entwicklung der Stadt widerspiegelten.
- Frühe Filmvorführungen: Bereits 1903 experimentierte der Prater mit Filmvorführungen – eine Freilichtbühne der besonderen Art. Damit positionierte sich der Ort früh an der Schnittstelle zwischen klassischer Unterhaltung und moderner Technik.
- Wandel zwischen Theater und Varieté: Nach dem Tod von Paul Kalbo verstärkte seine Frau Martha das Theaterprofil, kehrte später jedoch wieder zu leichterem Unterhaltungsprogramm zurück. Diese Flexibilität sicherte das Überleben des Unternehmens.
- Soziale Mischung: Der Prater war ein Ort, an dem sich verschiedene gesellschaftliche Schichten begegneten. Arbeiter saßen neben Angestellten, Künstler neben Familien aus der Nachbarschaft. Diese Durchmischung machte den besonderen Charakter des Ortes aus.
Prater im 20. Jahrhundert: Kriege, Kino und DDR-Zeit
Das 20. Jahrhundert brachte dem Prater dramatische Umbrüche – vom Ersten Weltkrieg über die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus bis zur DDR-Zeit durchlebte der Ort Höhen und Tiefen.
- Erster Weltkrieg und Weimarer Republik: Krieg, Inflation und die wachsende Konkurrenz durch Kinos führten zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten. 1923 verlor der Prater seine Theaterkonzession – eine Krise, die das Geschäftsmodell grundlegend veränderte.
- Kino-Ära ab 1932: Die Berliner-Kino-Betrieb GmbH übernahm den Prater und zeigte Filmvorführungen mit populären Stars der Zeit. Werbung für aktuelle Produktionen lockte ein neues Publikum an.
- Zweiter Weltkrieg: 1944 wurde der Betrieb kriegsbedingt eingestellt. Das Gelände kam vergleichsweise glimpflich durch die Bombardierungen und konnte 1945 im sowjetischen Sektor als Vergnügungslokal wieder öffnen.
- Nachkriegszeit: 1946 zog die Volksbühne Berlin zeitweise in den Prater. Der Saal diente auch als DEFA-Filmtheater und zeigte unter anderem die Premiere des Märchenfilms „Das kalte Herz” im Jahr 1950.
- DDR-Freizeitkultur ab den 1960er Jahren: Karussells, Musiknachmittage, Tanzveranstaltungen und Kinderfeste prägten den Charakter eines Volksausflugslokals. Der Prater wurde zum festen Bestandteil der Freizeitgestaltung im Stadtbezirks Prenzlauer Berg.
- Kreiskulturhaus und Galerie: 1967 wurde der Prater zum Kreiskulturhaus des Bezirks. 1973 gründete sich die „Galerie am Prater” als Ausstellungsmöglichkeit für junge Berliner Künstler – eine der ältesten kommunalen Galerien der Stadt.
- Intensives Kulturprogramm: In den 1970er und frühen 1980er Jahren fanden jährlich bis zu rund 3.000 Veranstaltungen statt – Spezialitäten Vorstellungen, Lesungen, Konzerte. Diese Zahl unterstreicht die enorme Bedeutung als Kulturzentrum.
- Schließung nach der Wende: Nach 1990 führten Umbrüche und massiver Sanierungsbedarf zur Schließung des Hauses durch das Bezirksamt 1991. Der historische Prater stand vor einer ungewissen Zukunft.
Sanierung, Wiedereröffnung und heutige Nutzung
Nach der Wende drohte dem historischen Prater das endgültige Aus. Doch Sanierungsmaßnahmen retteten diesen einzigartigen Ort für kommende Generationen.
- Sanierung der 1990er Jahre: Ab 1992 wurden rund 3,2 Millionen DM in die Instandsetzung des Biergartens investiert. Das Unkraut, das den Hof überwuchert hatte, wurde entfernt, Gebäude restauriert. 1996 eröffnete der Prater wieder.
- Denkmalschutz: Das Gebäudeensemble und der Biergarten stehen heute unter Denkmalschutz. Bei der Restaurierung wurden historische Elemente wie Fassade, Saal und Hofstruktur erhalten bzw. rekonstruiert.
- Aktuelle Betreiberstrukturen: Der Biergarten und die Gaststätte werden gastronomisch betrieben, während die Volksbühne und die Galerie im Prater für kulturelle Inhalte zuständig sind. Diese Trennung ermöglicht Spezialisierung bei gleichzeitiger Synergie.
- Erneute Sanierung ab 2019: Eine weitere Modernisierung und bauliche Ertüchtigung sicherte den Prater langfristig als zweite Spielstätte der Volksbühne. Die Wintersaison-Nutzung wurde dadurch verbessert.
- Tradition trifft Moderne: Heute verbindet der Prater Berliner Biergarten-Tradition mit zeitgenössischer Theater-, Musik- und Kunstszene. Events reichen von klassischen Theateraufführungen bis zu experimentellen Formaten.
Der Biergarten heute: Atmosphäre, Essen und Trinken
Ein typischer Sommerabend im Prater: Das dichte Blätterdach der Kastanienbäume filtert das letzte Sonnenlicht, während an langen Holzbänken ein gemischtes Publikum Platz nimmt. Kinderwagen stehen neben Fahrrädern, Studierende neben Touristengruppen, die dem Tipp ihrer Reiseführer folgen. Der Duft von gegrilltem Fleisch mischt sich mit dem Klirren von Biergläsern.

- Kapazität und Gestaltung: Der Biergarten fasst je nach Bestuhlung mehrere Hundert Gäste – bis zu etwa 800 Personen finden Platz. Selbstbedienung an Ausgabeständen und einfaches, robustes Mobiliar prägen den unkomplizierten Charakter.
- Getränkeangebot: Das Bier fließt in Strömen – Prater Pils und Prater Schwarzbier vom Fass gehören zu den Klassikern. Dazu weitere Berliner und regionale Biersorten, alkoholfreie Getränke und eine einfache Auswahl an Weinen.
- Speisen im Biergarten: Die Küche bietet klassische Biergartenkost: Bratwurst, Steaks vom Grill, Bretzeln und Kartoffelsalat. Das Essen ist unkompliziert und auf schnelle Ausgabe ausgelegt – perfekt für den spontanen Besuch.
- Restaurant bei schlechtem Wetter: Bei Regen oder in der kalten Jahreszeit können Gäste in das angeschlossene Restaurant ausweichen. Dort serviert die Küche deutsche Hausmannskost: Königsberger Klopse, Schnitzel oder deftige Eintöpfe.
- Saison und Öffnungszeiten: Der Biergarten öffnet typischerweise von Frühling bis Herbst bei gutem Wetter, meist am späten Vormittag oder frühen Nachmittag. Das Restaurant kann ganzjährig geöffnet haben. Aktuelle Zeiten sollten Besucher online oder via Facebook prüfen.
- Zielgruppe: Der Prater eignet sich für Familienausflüge, große Gruppen, spontane After-Work-Treffen und Touristen, die „typisch Berlin” erleben möchten. Die lockere Atmosphäre macht es leicht, mit Fremden ins Gespräch zu kommen.
Prater als Kultur- und Veranstaltungsort heute
Der Prater ist weit mehr als nur ein Biergarten. Er spielt weiterhin eine wichtige Rolle in der Berliner Kulturszene und bietet eine einzigartige Mischung aus Gastronomie und künstlerischem Programm.
- Volksbühne im Prater: Die Volksbühne nutzt den Saal als zusätzliche Spielstätte für Theateraufführungen, Lesungen, Konzerte und kleinere Festivals. Im Vergleich zum großen Haus am Rosa-Luxemburg-Platz finden hier oft experimentellere Formate statt.
- Galerie im Prater: Die kommunale Galerie im Innenhof gehört zu den ältesten Galerien Berlins. Jährlich zeigt sie etwa 8–10 Ausstellungen mit Fokus auf zeitgenössische, oft junge Kunst. Ein Besuch lohnt sich für alle, die mehr als nur Bier und Bratwurst suchen.
- Typische Veranstaltungen: Das Programm umfasst Filmreihen, Diskussionsabende, Independent-Konzerte, Stadtteilfeste und thematische Wochenenden im Sommer. Für aktuelle Informationen zu Events lohnt ein Blick auf die offizielle Seite oder die sozialen Medien.
- Rolle im Kiez: Der Prater ist ein wichtiger Treffpunkt in Prenzlauer Berg – an der Schnittstelle zwischen der touristischen Kastanienallee und nachbarschaftlichem Alltag. Viele Anwohner nehmen die Veranstaltungen als „ihr” Kulturprogramm wahr und folgen dem Angebot regelmäßig.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Biergarten Prater
Muss ich im Biergarten Prater Eintritt bezahlen?
Für den Besuch des Biergartens oder des Restaurants wird kein Eintritt erhoben. Eintrittspreise fallen nur an, wenn eine kostenpflichtige Kulturveranstaltung im Saal der Volksbühne im Prater besucht wird. Die Ticketpreise variieren je nach Veranstaltung und können über die Volksbühne oder gängige Ticketportale erworben werden.
Dürfen eigene Speisen und Getränke mitgebracht werden?
Historisch war es üblich, eigenes Brot und Kaffee mitzubringen – das gehörte zur Berliner Ausflugskultur des 19. Jahrhunderts. Heute ist das Mitbringen von eigenen Speisen und Getränken in der Regel nicht vorgesehen. Besucher sollten sich an die aktuellen Hausregeln halten und das Angebot von Biergarten und Restaurant nutzen.
Ist der Prater Garten barrierearm zugänglich?
Der Hof selbst ist weitgehend ebenerdig und grundsätzlich für Rollstuhlnutzer zugänglich. Allerdings können unebene Pflasterflächen und Stufen zu den Innenräumen eine Herausforderung darstellen. Vor dem Besuch empfiehlt es sich, die Website zu prüfen oder den Betreiber direkt zu kontaktieren, um den aktuellen Stand der Barrierefreiheit zu klären.
Kann man den Prater für private Feiern oder Firmenevents mieten?
Für größere Gruppen, Feiern oder Firmenveranstaltungen besteht in der Regel die Möglichkeit, Bereiche des Biergartens oder das Restaurant nach Absprache zu nutzen. Interessenten sollten direkt beim Prater anfragen und Konditionen sowie Verfügbarkeit im Voraus klären. Je nach Jahreszeit und Wochentag kann die Verfügbarkeit variieren.
Findet der Biergartenbetrieb auch bei Regen statt?
Bei leichtem Regen können einige überdachte Bereiche genutzt werden, der klassische Biergartenbetrieb findet jedoch überwiegend im Freien statt. Bei schlechtem Wetter ist das angrenzende Restaurant die bessere Alternative – es bietet Innenplätze mit voller Speisekarte und eine gemütliche Atmosphäre für einen längeren Aufenthalt.
Adresse
Prater Garten, Kastanienallee 7–9, 10435 Berlin

